Montag, März 27, 2017

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Kleinbasel

Wir haben keine Harbour-Bridge und kein Opernhaus auf einer Halbinsel. Trotzdem gehört Basel zu den zehn weltbesten Städten der Welt – punktgleich mit der australischen Stadt Sydney. Erstmals wurde Basel vom Beratungsunternehmen Mercer in die Bewertung «Quality of Living» (Lebensqualität) aufgenommen. Gemäss der diese Woche veröffentlichten Rangliste liegt Basel weltweit auf Platz zehn und direkt hinter Kopenhagen. Die Rang­liste umfasst 231 Städte. Die Platzierung erfolgt aufgrund einer Analyse der zehn Kategorien politisches und soziales Umfeld, wirtschaftliches Umfeld, sozio-kulturelles Umfeld, medizinisches Angebot und Gesundheit, Schulen und Ausbildung, öffentliche Dienstleistungen und Transport, Erholung, Konsumgüter, Wohnen sowie natürliche Umgebung.

Wien schwingt obenaus

Am höchsten ist gemäss der Rangliste die Lebensqualität in der österreichischen Hauptstadt Wien, am tiefsten in Bagdad. Die bestplatzierte Schweizer Stadt ist Zürich auf Platz zwei. Dahinter folgen Auckland (Neuseeland), München, Vancouver (Kanada), Düsseldorf und Frankfurt. Genf kommt auf Platz acht, Bern ist an der 14. Stelle zu finden. Die Studie basiert auf einer Umfrage von Expats und Personen mit entsprechender Erfahrung. Die Ergebnisse dienen gemäss Mercer internationalen Firmen und städtischen Akteuren als Orientierungshilfe.

 

 

 

 

 

 

Frau Stöffler, Sie betreiben im Klybeck eine so genannte aufsuchende Quartierarbeit. Wo sind Sie unterwegs?
Ulla Stöffler: Ich verstehe mich als Ansprechspartnerin, vorwiegend im Klybeck mit Schwerpunkt am Wiesenplatz in der Siedlung Mitte, wo 900 Menschen auf beengtem Raum zusammenleben. Geografisch sehe ich mein Einzugsgebiet nicht so eng, auch Kleinhüningen gehört im weitesten Sinne dazu. Eine Kontaktaufnahme mit den Bewohnenden der Densa-Überbauung hinter dem Stücki ist in der Jahresplanung 2017 enthalten.

 

Auf welche Art von Menschen treffen Sie im Klybeck?

Es sind ganz normale Stadtbewohner, die einfach in den letzten Jahren sehr gelitten haben unter dem Baulärm – bei der Verlängerung der Tramlinie 8 und beim Umbau des Wiesenplatzes. Das Klybeck ist ein gebeuteltes Quartier, was Infrastruktur und Baulärm anbelangt. Die nächsten 18 Monate werden etappenweise die Gleise und die Leitungen an der Kleinhüningerstrasse erneuert. Andererseits findet hier eine Aufwertung statt, von der einige Leute nicht profitieren können. Ein grosses Problem ist, dass es immer weniger bezahlbaren Wohnraum, aber auch zu wenig Ateliers für kleine Handwerksbetriebe gibt.

 

Konflikte zwischen verschiedenen Kulturen stehen momentan weniger im Vordergrund?

Diese Konflikte gibt es noch – genauso wie die Angst vor gewissen Bevölkerungsgruppen wie etwa konservativen Muslimen. Dieses Phänomen ist nicht neu. Mit einem Quartierfest beispielsweise, wo sich die negativ besetzten Kulturkreise positiv darstellen, könnte man viel dagegen tun.

 

Welche Sorgen haben denn die Leute?

Das grösste Problem sind – gerade bei Migranten – die Hemmschwellen gegenüber den Behörden. Man fühlt sich ausgeliefert und findet den Zugang zu Anlaufstellen nicht, oft auch wegen sprachlicher Hürden. Ich stelle auch immer wieder fest, dass sich Betroffene selbst viel zu wenig zutrauen. Das Quartier ist sich zu wenig bewusst, welche Ressourcen es hat und dass es als Gemeinschaft noch viel besser funktionieren könnte. Dazu kommt, dass sich viele nicht gut im eigenen Quartier auskennen. Sie wissen gar nicht, welchen Reichtum an Angeboten es direkt vor ihrer Haustüre hat.

Was können Sie tun, wenn es Probleme gibt?

Einzelfälle wie etwa ein Schuldenproblem kann ich nicht selbst bearbeiten. Da gehe ich mit den Betroffenen zur entsprechenden Fachstelle, wo ihnen geholfen wird. Mein Fokus liegt eher darin, die Bevölkerung im Quartier miteinander zu verknüpfen – nach dem Prinzip «Hilfe zur Selbsthilfe». Es geht mir darum, dass die Leute die Probleme selbst in die Hand nehmen. Zum Beispiel unterstütze ich engagierte Leute sehr gerne bei der Organisation des ersten Strassenfestes, beim zweiten Fest bin ich dann idealerweise schon weniger gefragt.

 

Wie merken Sie, dass Sie gefragt sind. Wie merken Sie, wohin Sie gehen müssen?

Da helfen mir meine Ausbildung und meine Erfahrung. Ich arbeite seit 20 Jahren als Sozialarbeiterin und wohne seit 17 Jahren in Basel. Ich knüpfe pro Monat rund 30 neue Kontakte, dränge mich aber nicht auf. Wenn ich merke, dass die Leute kein Interesse haben, mache ich etwas Smalltalk, gebe vielleicht einen Flyer ab und verabschiede mich. Allgemein muss ich sagen, dass wir Menschen es verlernt haben, miteinander zu reden. Dies ist auch oft der Grund für Konflikte. Man sollte sein Ego etwas zurückstellen, sich mehr für die Gemeinschaft engagieren und auch hin und wieder das Smartphone aus den Händen legen.

 

Wie erkennen Sie die Leute?

Entweder habe ich die rote ­Tasche umgehängt, oder ich fahre mit dem Velo herum, das mit dem Logo gekennzeichnet ist.

 

Welche Vision haben Sie für das Klybeckquartier?
Die Leute sollten mehr aufeinander zugehen. Oft genügt es, einfach nur Hallo zu sagen; daraus entstehen Gespräche, mit denen man oft Konflikte lösen kann. Ich wünsche mir, dass die Leute wieder mehr Eigeninitiative entwickeln für ihren Stadtteil. Den Politikern rate ich, mehr für die Volksgesundheit zu tun: Baulärm kann diese gefährden. Und grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die Leute viel mehr lachen sollten.

 

Seit Anfang August 2016 leitet Ulla Stöffler das Projekt Mobile Quartierarbeiter (MQK) im Klybeck. Sie unterstützt Quartierbewohnerinnen und -bewohner bei ­Ideen, Wünschen, Sorgen und steht ihnen bei Anliegen zur Seite. Das Projekt wird finanziert vom Erziehungs- und Präsidialdepartement sowie der Christoph ­Merian Stiftung (CMS).

 

Mobile Quartierarbeit Klybeck

Quartiertreffpunkt Kleinhüningen

Kleinhüningerstrasse 205, 1. Stock
Büroöffnungszeiten:
Mi 14 bis 17 Uhr; Do 14 bis 15.30 Uhr

 

 

Erste Lektion für künftige Fasnächtler

  • Dienstag, 07 März 2017 13:22

Seit beinahe drei Jahrzehnten befasst sich eine Arbeitsgruppe unter dem Patronat des Fasnachts-Comités mit der Aufgabe der Nachwuchsförderung. «Die erschti Lektion» ist eine Nachwuchs-Werbeaktion, bei der sich interessierte Eltern mit ihren Kindern jeweils am Freitag und Samstag nach der Fasnacht auf dem Barfüsserplatz über die Jungen Garden der Stammvereine informieren können. Alternierend präsentieren sich jeweils die Hälfte aller Cliquen im Zelt.

Die Binggis dürfen zudem dem Piccolo die ersten Töne entlocken oder unter fachkundiger Anleitung auf dem «Böggli» trommeln. Die nächste Aktion findet statt am

Freitag, 10. März, 13.30 bis 17 Uhr
Samstag, 11. März, 11 bis 16.30 Uhr

www.fasnachts-comite.ch/de/nachwuchs/erstelektion

Ermutigt von der denkwürdigen Abstimmung Grossbritanniens im letzten Sommer hat die Spezi Clique 1905 Basel ihren persönlichen SPEXIT beschlossen. Die Basler Stammclique verlässt das Fasnachts-Comité nach den «drey scheenschte Dääg» 2017 und befreit sich damit von allen reglementarischen Fasnachtszwängen. Wo und in welchem Rahmen die Clique in Zukunft Fasnacht machen wird, ist noch nicht klar. Sicher ist hingegen die Teilnahme an der St. Patrick‘s Day Parade 2018 in Dublin, um diese als mögliche Alternative zur Basler Fasnacht zu prüfen.

Was Grossbritannien kann, kann die Spezi Clique 1905 Basel, kurz Spezi, erst recht. Die Stammclique trennt sich nach den laufenden «drey scheenschte Dääg» vom Fasnachts-Comité und geht ihren eigenen Weg. Die Clique befreit sich damit nach über 100-jähriger Zugehörigkeit vom finanziellen und reglementarischen Korsett des Comités. Diesem mutigen Schritt ging der starke Wunsch nach mehr Freiheit und Selbstständigkeit sowie weniger Fremdbestimmung voran. Der beschlossene Austritt Grossbritanniens aus der EU im vergangenen Sommer war der Auslöser, diesen Wunsch effektiv umzusetzen. Anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung im November 2016 beschloss eine überragende Mehrheit der Spezi, in diesem Jahr zum letzten Mal unter der Flagge des Comités Fasnacht zu machen.

Alternative Fasnacht
Oberstes Ziel der Spezi für die Zukunft: Befreit von allen Vorschriften des Comités Fasnacht machen. Kein Drummeli, kein Plakettenverkauf, kein Cortège, kein Bummel, kein Kampf um Subventionen – schlicht keine Regeln. Die Cliquenverantwortlichen prüfen deshalb Alternativen zur Basler Fasnacht. Eine Möglichkeit bietet die in Dublin stattfindende Parade zu Ehren des irischen Nationalheiligen St. Patrick. Die Iren feiern ihren Schutzpatron alljährlich am 17. März mit einem grossen Umzug ähnlich dem Cortège in Basel. Probehalber nimmt die Spezi Clique 2018 an der St. Patrick’s Day Parade teil. «Wir wollen unbedingt etwas Neues ausprobieren», sagt Thomas Kissling, Obmann der Spezi Clique. Man begäbe sich damit auf völlig unbekanntes Terrain, freue sich aber sehr auf diese Erfahrung, führt er weiter aus.

Abschiedsvorstellung am Drummeli
Am Drummeli haben die Spezi bereits ihren Abgang angekündigt. Mit dem Marsch «Scotch Irish» gaben sie ihre Abschiedsvorstellung an der Vorfasnachtsveranstaltung und machten mit einem Banner (SPEXIT – Das isch unser letschts Drummeli! Zämme!) auf ihre Pläne aufmerksam. Das irische Volksmusikstück war übrigens nicht zufällig gewählt. «Natürlich stimmen wir uns mit dem Marsch auf unsere Reise nach Dublin ein», erklärt Thomas Kissling. Auch der Konsum des einen oder anderen Pint Guinness nach gelungenem Drummeli Auftritt trägt zu den Reisevorbereitungen bei.