Mittwoch, November 22, 2017

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Ein Treffpunktleiter als römischer Legionär

In der Freizeit läuft Tomi Zeller als Römer herum. In der Freizeit läuft Tomi Zeller als Römer herum. Foto: Privatarchiv Tomi Zeller

Tomi Zeller spielt Römer. Wobei es meistens mehr als ein Spiel ist. Dahinter steckt auch viel körperliche Anstrengung. Er marschierte in historischen Kleidern und Rüstungen, mit genagelten Sandalen und mit einer 50 Kilo schweren Vollpackung über den Septimerpass, einem der wichtigsten Alpenübergänge zur Römerzeit.   

Möglichst detailgetreu

Wieso tut er sich das an? «Ich möchte mich so fühlen, wie sich die Leute damals gefühlt haben. Ich möchte erfahren, ob die historischen Überlieferungen Propaganda waren oder der Wahrheit entsprachen», sagt Zeller. Mit seinen Kollegen versetzt er sich zurück in die klassische Kaiserzeit in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus. «Wir versuchen, den militärischen Alltag und das zivile Leben im militärischen Umfeld realitätsnah und möglichst detailgetreu darzustellen.» Als Orientierung dient die verbürgte Präsenz der historischen LEG XI im Legionslager von Vindonissa, dem heutigen Windisch (AG).

Tomi Zeller gehört dem Verein Vex Leg XI CPF (Vexillum Legio XI Claudia Pia Fidelis) an. Der Vereinsname lehnt sich an die Legio XI an, die unter der Regierungszeit des römischen Kaisers Claudius (41/54 n. Chr.) den Beinamen Claudia und die Ehrenbezeichnung Pia Fidelis (pflichtbewusst und treu) erhielt. Die rund 35 Vereinsmitglieder sind imstande, ein Legionärslager aufzubauen. Während die Männer vor allem als Legionäre auftreten, betreiben die Frauen vor dem Lager eine römische Taverne. Am Römerfest in Augusta Raurica (26. bis 27. August) bildet der Verein mit Gleichgesinnten aus dem Ausland ein grosses Legionärslager mit bis zu 80 Personen. «Das Ziel des Vereins ist, zu wachsen und mit der Zeit immer mehr Chargen darzustellen», sagt Vereinskassier Zeller. Der Verein absolviert Auftritte an Museen oder er zeigt sich an Schulen.

Billige Kopien sind tabu  

«Wir sind keine Hollywood-Gruppe. Wir treten nicht an der Fasnacht oder an Dorffesten auf», betont Zeller. Alles müsse sehr authentisch und historisch abgesichert sein. Niemals würden die Legionäre mit billigen Nachbildungen aus dem Internet arbeiten. Lieber stellen sie ihre Rüstungen in Workshops eigenhändig selber her. «Wir bauen sie aus Bildern und mit Hilfe von archäologischen Fundberichten nach und testen sie dann im Gelände.»

Tomi Zeller verkörpert zwei Rollen als Römer: Er tritt sowohl als Legionär wie auch als Arzt auf. Das Fachgebiet der antiken Medizin beschäftigt ihn sehr. Er hat gelernt, wie man damals Salben und Medikamente herstellt und welche chirurgischen Techniken angewandt wurden. Zuhause baut er seinen eigenen römischen Medizinalgarten an. «Selbst hier auf der Kasernenareal finde ich sicher zehn Kräuter, die man in der antiken Medizin verwenden könnte», schwärmt der Leiter des Quartiertreffpunkts Kasernenareal. Aktuell sucht er nach einer Knochensäge, die er als Legionärsarzt einsetzen könnte. Er hat zwar Sägen aus Bronze gefunden, kann sich aber kaum vorstellen, dass damit grössere Knochen zersägt wurden. Die Frage nach der Knochensäge konnte er bis jetzt nicht genau klären.

Mit Vorurteilen aufräumen

Sein Interesse für die aktive Römerei ist vor rund zehn Jahren am Römerfest in Augusta Raurica entstanden. «Die römische Geschichte ist nicht nur aus militärischer, sondern auch aus kultureller Sicht interessant.» Zeller möchte mit einigen Vorurteilen gegenüber Römern aufräumen – zum Beispiel, dass sie sexbesessen und vollgefressen waren. «Das Bild der dekadenten Römer stammt von Satirikern und Moralisten dieser Epoche, welche die Zustände natürlich stark übertrieben – <Sex sells> funktionierte schon damals.» Klar, die Gladiatorenkämpfe habe es gegeben, jedoch seien nur bei jedem zehnten Kampf wirklich Leute gestorben. Meistens seien es dabei verurteilte Straftäter gewesen, die gegen die Gladiatoren kämpfen mussten, betont Zeller.  Er ist 44 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Sohnes. Früher war er Landschaftsgärtner, bevor er vor 20 Jahren bei den Robi-Spiel-Aktionen als sozio-kultureller Animator angefangen hat. Seit 12 Jahren leitet er den Quartiertreffpunkt Kasernenareal.

Runden im Kannenfeldpark
Um als Legionär beim Verein mitzumachen, muss man fit sein. Für die Überquerung des Septimerpasses hat Zeller hart trainiert, indem er unter anderem mit Vollpackung Runden durch den Kannenfeldpark drehte.

www.legioxi.ch

Letzte Änderung am Mittwoch, 21 Juni 2017 15:19

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