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Clarastrasse: Schöne Steine machen keine Flaniermeile

  • Dienstag, 24 Oktober 2017 09:38
  • geschrieben von  mst
Alpnacher Quarzsandstein soll auch in der Clarastrasse verlegt werden. Alpnacher Quarzsandstein soll auch in der Clarastrasse verlegt werden.

Auch die Clarastrasse wird als Teil des Gestaltungskonzepts Innenstadt Alpnacher Quarzsandstein bekommen. Und dann?  Im Jahr 2015 wurde das Gestaltungskonzept Innenstadt verabschiedet. Darin ist festgehalten, dass die Zentrumsstrassen als Rückgrat der Basler Innenstadt den Bahnhof SBB mit dem Badischen Bahnhof verbinden. Diese wichtige Bedeutung soll durch die Bodenmaterialien unterstrichen werden. So soll unter anderem laut Konzept die Zusammengehörigkeit der Zentrumsstrassen gestärkt und die Orientierung innerhalb der Stadt verbessert werden. Und da kommt der Alpnacher Quarzsandstein (als Platte oder Pflaster) ins Spiel. Dieser wird auf allen Zentrumsstrassen verlegt. So auch in der Greifengasse, wo die erste Etappe der Umgestaltung bereits abgeschlossen wurde. Irgendwann sollen also diese Steine die ganze Stadt vom einen bis zum anderen Bahnhof verbinden. Denn das Ziel des Gestaltungskonzepts ist es, die Basler Innenstadt als Einkaufs-, Flanier- und Aufenthaltsort attraktiver zu machen. Und das betrifft natürlich auch die Clarastrasse. Aber wie der «Vogel Gryff» bereits in seiner letzten Ausgabe festgestellt hat, ist es für diese noch ein langer Weg bis zur Flaniermeile. Und auch ein paar Steine tragen nicht zur Verkürzung bei. Dieser Meinung ist jedenfalls Thomas Lachenmeier, der mit seinem Farbengeschäft seit 1970 an der Clarastrasse tätig ist. «Ein neuer einheitlicher Bodenbelag ist zwar nice to have, mehr aber auch nicht. Für mich ist ein Teerbelag völlig in Ordnung.»

 

Um aus der Clarastrasse eine Flaniermeile zu machen, brauche es die richtigen Geschäfte, sagt Lachenmeier und ist überzeugt: «Die Wirtschaft wird das selber regeln, Läden ohne Erfolg werden verschwinden und Neue werden kommen. Haben Billigläden Erfolg, ist das okay, haben Luxusläden Erfolg, ist das auch okay. Irgendwo in der Mitte wäre am Besten.» Auch Roland Schweizer, Inhaber des Geschäfts «Photo Basilisk», sieht die Aufwertung der Clara­strasse nicht bei den Steinen. «Wenn es einheitlich daherkommt und gut aussieht, kann es von mir aus auch ein anderer Belag als Alpnacher Quarzsandstein sein. Für mich ist das nicht matchentscheidend.» Wie auch für Lachenmeier ist Schweizer wichtig, dass die richtigen Geschäfte einziehen. «Es sollten attraktive Mieter kommen. Aber ich glaube nicht, dass beispielsweise ein Louis Vuitton oder Lacoste Laden in der Clarastrasse eine Filliale eröffnet.» Ebenfalls wichtig sei eine optische Aufwertung. «Grundsätzlich sollte es grüner werden. Wenn es nur ein paar Bäume mehr hätte, würde das schon eine andere Atmosphäre kreieren. Ich muss aber auch sagen, dass die Stadtgärtnerei bereits jetzt einen tollen Job macht.» Dass die Strasse irgendwann mal zur Flaniermeile wird, bezweifelt Roland Schweizer allerdings. Denn in der Vergangenheit sei viel geredet und zu wenig umgesetzt worden. Das Verkehrskonzept Innenstadt sei ein grosses Problem. Dazu komme, dass vor dem Geschäft keine Werbung platziert werden darf. Bei aller Kritik sagt Schweizer aber auch: «Wir sind mit unserem Laden an der Clarastrasse nicht unglücklich und die Leute nehmen uns wahr.»

Attraktive Mieter in der Clarastrasse wünscht sich auch Valentina Todino, Geschäftsführerin der St. Clara Apotheke. «Schuhladen, Kleider-Laden (qualitätswertig), Geschäfte im Stile von Yves Rocher, welche die Aufmerksamkeit der Kunden und besonders der Laufkunden wecken können.» In Sachen Bodenbelag sieht sie der geplanten Umgestaltung mit Quarzsandsteinen positiv entgegen: «Ich finde das Projekt sehr gut und ich erwarte, dass viel mehr Personen durch die Clarastrasse spazieren werden – wie in der Greifengasse.» Ein grosser und jahrzehntelanger Mieter an der Clarastrasse ist der Coop Europe. Der Grossverteiler ist mit seiner Meinung zur Clarastrasse zurückhaltend. Auf Anfrage des «Vogel Gryff», wie man bei Coop die Situation mit Flaniermeile und Quarzsandstein beurteilt,  schreibt Mediensprecher Markus Eugster lediglich: «Coop ist mit der Entwicklung der Verkaufsstelle Basel Europe zufrieden. Grundsätzlich begrüsst Coop stets Massnahmen, die zu einer attraktiven Umgebungsgestaltung beitragen. Einflussnahme ist im Rahmen der üblichen baurechtlichen Möglichkeiten und des Interessenverbandes IG Kleinbasel möglich.»

Auf dem (bald) gepflasterten Weg zum Badischen Bahnhof liegt nach der Clarastrasse die Rosentalstrasse. Während noch unklar ist, wann die Arbeiten in der Clarastrasse beginnen, ist dies bei der Rosentalstrasse ab nächstem Jahr der Fall. Auch sie zählt laut Konzept zu den Zentrumsstrassen, sollte also ebenfalls Alpnacher Quarzsandstein bekommen. Daniel Hofer vom  Bau- und Verkehrsdepartement widerspricht. «Vor allem aus Kostengründen wird man in der Rosentalanlage darauf verzichten. Der Stein ist sehr teuer. Dennoch wird die Rosentalstrasse attraktiver; vor allem für Fussgängerinnen und Fussgänger, aber auch sicherer für Velofahrende. So werden zum Beispiel die Trottoirs verbreitert und Bäume gepflanzt.» Also wie in der Clarastrasse. Einfach ohne Alpnacher Quarzsandstein und  Flanieranspruch. 

Letzte Änderung am Mittwoch, 25 Oktober 2017 08:44

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