Dienstag, Januar 23, 2018

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Der Negro-Tambourmajor singt alle Stücke mit

Der Negro-Major freut sich auf den 60. Geburtstag. Der Negro-Major freut sich auf den 60. Geburtstag. Foto: YSFOTO.

Roger Schätti, Tambourmajor der Kleinbasler Guggenmusik Negro-Rhygass 1958, erzählt im Interview über die Vorbereitung aufs Drummeli 2018 und über seine Rolle als Brückenbauer zwischen der Gugge und dem Publikum. Nach zehn Jahren als Tambourmajor steht der 57-Jährige vor seiner letzten Fasnacht als Tambourmajor.

 

Vogel Gryff: Die Negro-Rhygass wurde an der Presse­konferenz zum Drummeli 2018 als eierlegende Wollmilchsau bezeichnet – in Anspielung darauf, dass die Negro sowohl als Gugge auftritt wie auch trommelt und pfeift und einen Wagen präsentiert. Heisst das, Sie kommen am Drummeli mit einem Wagen auf die Bühne?

Roger Schätti: Nein, unsere Wägeler kommen am Drummeli leider nicht zum Zug. Dafür werden die Pfeifer, Tambouren und die Guggenmusik mit einer über 70-köpfigen Formation eine schöne musikalische Kombination präsentieren.

 

Was zeigen Sie dem Publikum am Drummeli? Dürfen Sie überhaupt etwas verraten?

Einiges darf man schon verraten. Wir nehmen das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch das Kleinbasel und beleuchten dabei die Geschichte der Negro. Die Reise beginnt um 4 Uhr morgens und dauert bis morgens um 4 Uhr – wie die Fasnacht.
 

Seit wann wissen Sie, dass Sie am Drummeli auftreten dürfen?

Aufgrund unseres bevorstehenden 60. Geburtstages haben wir schon früh eine Anfrage gestartet, ob wir 2018 am Drummeli dabei sein dürfen. Vor rund zwei Jahren haben wir die Zusage bekommen.
 

Wann haben Sie mit den Vorbereitungen begonnen?

Mitte 2016 haben wir ein OK gebildet, das sich mit dem Thema, der Musik und dem visuellen Auftritt befasst hat. 
 

Schöpfen Sie aus Ihrem Repertoire oder haben Sie neue Stücke eingeübt?

Unsere erste Idee war, nur neue Stücken zu präsentieren. Bei der zweiten Version, die wir jetzt umsetzen, handelt es sich um eine Kombination zwischen einem alten und einem neuen Stück. Es ist eine Art Medley mit der Sequenz eines alten Stücks. Damit wollen wir auch die musikalische Geschichte der Negro abbilden.
 

Wie heftig wurde um das Thema gerungen?

Zum Teil gab es recht hitzige Diskussionen, die drei bis vier Stunden gedauert haben.
 

Wann haben Sie mit den Proben für das Drummeli begonnen?

Rund anderthalb Jahre vor dem Auftritt haben wir begonnen, die neuen Bauteile einzuüben. 

 

Müssen Sie für den Drummeli-Auftritt mehr üben?

Nicht unbedingt mehr, aber anders und qualitativ besser. Wir haben zwei ganze Samstage geplant, an denen wir explizit für das Drummeli üben.

 

Wie sieht der visuelle Auftritt aus? 

Verraten darf ich, dass wir mehrere Steckenlaternen zeigen, die alle Clownlarven in der Geschichte der Negro repräsentieren. Wir treten nicht mit unseren traditionellen Clownkostümen auf. Wie genau das Spiel aussieht, ist und bleibt aber eine Überraschung. 

 

Ihr Auftritt dauert vier Minuten und einige Sekunden. Wie schwer ist es, in dieser kurzen Zeit einen geschichtlichen Überblick zu präsentieren?

Die Sequenzen aus den Stücken auf die kurze Auftrittszeit anzupassen, ist die grosse Kunst unseres Musikchefs Stefan Krattiger. Er hat die Stücke speziell für das Drummeli arrangiert. 

 

Die Negro Rhygass gilt als Formation, die viel Wert legt auf eine hohe Qualität der Musik. 

Das kann man so sagen. Unser Credo heisst: Wir spielen lieber weniger neue Stücke pro Jahr ein, dafür in einer hohen Qualität. Bis die Stücke sitzen, üben wir nach Noten.


Wie wichtig ist ein Drummeli-Auftritt für eine Clique? 

In den letzen zehn Jahren waren wir alle zweieinhalb Jahre an grossen Vorfasnachtsveranstaltungen wie dem Drummeli oder dem Charivari. Dadurch wird man bei einem breiten Fasnachtspublikum bekannt. Mit zehn Veranstaltungen erreichen wir rund 10 000 Zuschauerinnen und Zuschauer.Dadurch erreicht man einen gewissen Stellenwert in der Fasnachtsszene. 

 

Das Drummeli findet während einer Woche täglich statt. Wie gross ist die Belastung für den Tambourmajor?

Belastung ist der falsche Ausdruck, aber ich werde in dieser Zeit wohl nicht viel schlafen. Denn ich habe einen langen Heimweg bis ins hintere Leimental. 

 

Wie wichtig ist das Dirigieren mit dem Majorenstab? Kann der Tambourmajor auf der Bühne überhaupt etwas bewirken? 

Meine Aufgabe besteht vor allem darin, eine Brücke zu schlagen zwischen der Gugge und dem Publikum. Ich sorge dafür, dass beim Publikum der Funke springt, das ist mir in den letzten Jahren gut gelungen. Meinen Musikern sage ich immer: Spielt aus dem Bauch heraus, zeigt dem Pubikum Eure Freude an der Musik. Das geht auch mit einer Larve. 

 

Ist ein Tambourmajor nicht auch ein wenig Selbstdarsteller?

Jeder zelebriert das anders. Ich bewege mich gern und singe unter der Larve alles mit. So will ich die musikalischen Elemente für das Publikum greifbar machen.

 

Wie stark ist das Lampenfieber vor dem Auftritt? 

Es ist wie vor einer Prüfung. Vor der Premiere ist das Lampenfieber grösser. Wenn man einmal weiss, wie das Publikum reagiert und wie die Presse urteilt, wird es einfacher, und die Anspannung legt sich langsam. Interessant finde ich, dass das Publikum nicht jeden Abend dasselbe ist und somit auch nicht gleich reagiert.

 

Das Drummeli findet vom 3.  bis zum 9. Februar 2018 jeweils um 19.30 Uhr (ausser sonntags 14 Uhr) im Musical Theater Basel statt. Es hat noch Tickets in allen Kategorien. Die Tickets kosten 43, 53, 63 und 73 Fr. und können beim Fasnachts-Comité am Blumenrain 16, bei Bider & Tanner an der Aeschenvorstadt 2 und über www.drummeli.ch sowie an den üblichen Vorverkaufsstellen bezogen werden. An der Abendkasse können Jugendliche mit Ausbildungs-Ausweis und sozial Benachteiligte mit der «KulturLegi» Restkarten zum halben Preis kaufen.

 

 

Inspiriert vom Flugpionier

An der Fasnacht 2018 feiert die Guggenmusik Negro-Rhygass 1958 ihren 60. Geburtstag in vollen Zügen. Dazu gehört ein Auftritt am Drummeli 2018 (Interview links). Für die Fasnacht 2018 hat die Clique zudem neue Trommeln und Pauken gekauft, und sie tritt in einem neuen Clownkostüm auf. Der typische  Negro-Clown, erschaffen im Jahr 1973 von Walti Goetz, kommt mit neuen Elementen daher – Markenzeichen wie die silbernen Clownschuhe und die Säuli auf den Larven bleiben im Grossen und Ganzen erhalten.

Die Ursprünge der Negro-Rhygass reichen zurück bis ins Jahr 1927. Damals machten einige Kleinbasler unter diesem Namen Guggenmusik. Negro heisst die Gugge wegen des Schweizer Flugpioniers Walter Mittelholzer (1894 bis 1937), der 1927 in 76 Tagen von Zürich nach Südafrika geflogen war. So entstand auch das Emblem der Gugge, der kleine Mohr mit einer Pauke. 1930 lief die Negro-Rhygass als Clique den Cortège trommelnd und pfeifend, 1948 bis 1950 wurde sie zur Wagenclique umfunktioniert, da die Trommler fehlten.

Die Neugründung erfolgte 1957 im Rebhaus unter der Initiative von Adolf «Spatz» Berchtold, der bis letztes Jahr noch aktiver Fasnächtler bei den Negro war. Ihm zur Seite standen ein paar «Glaibasler Buebe», die rund um den Lindenberg wohnten. 1968, 1983, 1998 und 2008 trat die Negro-Rhygass am Drummeli auf; 1985, 2012 und 2015 war die Clique am Charivari zu Gast. Das Jahr 1992 ging in die Geschichte ein: Mit dem Sujet «600 Joor Glai- und Grossbasel» hat die Clique den Volksbrauch «Vogel Gryff» umgesetzt. Voraus marschierten die drei Ehrenzeichen mit ihren Bannerherren, dahinter das Spiel im Ueli-Kostüm, angeführt vom Major als Lällekönig. Der Fasnachtsmontag begann für die Negro damals mit der Flossfahrt des Wild Maa. Eine Spezialität der Gugge sind zehn Tambouren, neun Pfeifer und vier Paukisten, die das Spiel ergänzen. Die Negro-Rhygass hat ein Repertoire von 30 Stücken und ist vor allem eine Marschmusik, die kaum einmal ein Ständchen auf einem Platz oder in einem Hinterhof gibt.

Am Cortège präsentiert sich die Negro-Rhygass traditionell mit einem Wagen, weshalb sie in der Fasnachtsszene auch als «Waagecliquegugge» bezeichnet wird. Auf dem Wagen am Schluss des Zugs machen vor allem ältere «Negro-Buebe» Fasnacht; zudem dient der Wagen als Proviantlager und Produktionsort für Grillwürste, wie Tambourmajor Roger Schätti schmunzelnd ausführt. «Unsere Wägeler sind seit dem Herbst daran, den Wagen zu gestalten. Auch er wird im Zeichen unseres 60. Geburtstages stehen.»

www.negro-rhygass.ch

 

 

 

 

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 21 Dezember 2017 09:08

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