Mittwoch, Dezember 12, 2018

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Die Rückkehr der Flipperautomaten

  • Donnerstag, 27 September 2018 07:37
  • geschrieben von  mst
Ein Blick in die Räumlichkeit des Flipperclub Regio Basel Ein Blick in die Räumlichkeit des Flipperclub Regio Basel Foto: mst

Wer kann sich noch an eine Zeit erinnern, als es in der ganzen Stadt verteilt etliche Spielsalons gab? «Yes», «Las Vegas», «Borsalino», «Mässmogge», «Domino» und wie sie alle hiessen, waren Garanten für ein unbeschwertes Spielvergnügen, solange man Ein- oder Zweifränkler im Sack hatte. Während das Vergnügen bei den Videospielen eher kurz war (je weiter man kam, desto schwieriger wurde es), konnte man durch Können und sanfte Gewalt die Spiellänge beim Flippern massgeblich beeinflussen. Und damit auch den Aufenthalt im Spielsalon selber. Denn je härter man den Flipperautomaten bearbeitet hat, desto schneller wurde man von der Person an der Kasse ermahnt aufzuhören – oder man wurde sogar rausgeschmissen. Ach, waren das schöne Zeiten! 

Die Spielsalons verschwinden

Mit den Jahren aber wurden die Spielsalons und ihr Angebot immer kleiner und weniger, während in den Wohnzimmern die Spielkonsolen immer mehr überhand nahmen. Es kam, wie es kommen musste: Irgendwann war auch der letzte Spielsalon verschwunden, und somit eine Ära beendet. Hier und da, in einem Restaurant, am Flughafen oder in einem Club­lokal konnte oder kann man sogar noch heute einzelne Flipperautomaten entdecken. Aber die Zeit, als sie nebeneinander in der Reihe standen, ist vorbei. 

Vorbereitung für die Rückkehr

Im Hintergrund allerdings liefen in der Region die Vorbereitungen für ein Comeback der Flipperautomaten, welches allerdings lange dauerte. Denn die Beschaffung ist nicht einfach und kostet einiges an Geld und Platz. Aber genau das haben sieben Freunde gemacht. Alle sind Flipper-Begeisterte und jeder hat sich privat über die Jahre mehrere Automaten angeschafft. Aber als der Platz bei jedem zu Hause knapp wurde, kamen sie auf die Idee, gemeinsam einen grossen Raum zu mieten und die Flipper­automaten dort zu platzieren, wie Ramon Richard erzählt, Präsident beim «Flipperclub Regio Basel». Nach der Gründung im Sommer 2015 war es zuerst eine rein private Sache: Die sieben Freunde trafen sich zum gemeinsamen Flippern und Fachsimpeln. 

Aus privat wird öffentlich

Aber es war klar, dass sie irgendwann auch die Öffentlichkeit an ihren Geräten spielen lassen wollten, wie Richard ausführt. «Wir wollen, dass auch andere wieder das typische ‹Flipperfeeling› bekommen wie früher.» Darum öffnet einmal im Monat (meistens das dritte Wochenende) der Club für alle Mitglieder und solche, die es werden wollen. Seit der Eröffnung vor knapp drei Jahren ist der Club an der Grabenackerstrasse 8a in Münchenstein eine Erfolgsgeschichte. «Wir verzeichnen einen stetigen Zuwachs an Mitgliedern. Der harte Kern besteht aus rund 50 Mitgliedern. Total sind über 700 Mitglieder im Verzeichnis», erklärt Ramon Richard. Ausserdem werde der Club gerne für private Anlässe und Events gemietet – von Firmenanlässen bis zu Kindergeburtstagen.

 

Vor einiger Zeit haben die sieben Clubbesitzer die Flipperautomaten umplatziert, um mehr Raum zu schaffen. Aktuell kann man an 55 Automaten spielen. Entweder ist man Clubmitglied oder man bezahlt Eintritt; alle Geräte sind auf Freispiel eingestellt. Es stehen nicht immer die gleichen Flipper dort. «Die Geräte gehören den sieben Gründungsmitgliedern. Jeder davon hat ein Kontingent an Stellplätzen zur Verfügung. Somit kann jeder seine Lieblingsgeräte aufstellen, die er gerne mag.»  Die Geräte werden unregelmässig gewechselt – entweder bei einem gröberen Defekt oder wenn einer der Aktiven einen neuen Flipper besorgt. «Wir versuchen jeden Monat, unseren Gästen ein neues Gerät vorzustellen.» Jene, die aus dem Salon verschwinden werde meistens in einer Werkstatt eingelagert, verkauft wird selten ein Gerät.

Neu und unbenutzt

Neue Automaten bekommt der Flipperclub zum Teil aus seinem ausgedehnten Bekanntenkreis, seltener über Onlineauktionen. Einige Geräte seien auch direkt bei einem der zwei letzten Hersteller (Stern Pinball und Jersey Jack Pinball) eingekauft worden, sagt Richard. Dabei handelt es sich um ganz neue und noch unbenutzte Flipper, die frisch aus dem Karton geholt werden können. Natürlich kommt es immer wieder zu Defekten. Anders als früher, als es in Basel noch mehrere Spielsalons hatte und professionelle Monteure im Einsatz waren, kümmern sich heutzutage die sieben «Jungs» selber darum – was allerdings viel Zeit kostet, wie Richard erklärt. «Dann heisst es herausfinden, was generell nicht funktioniert oder einen Defekt verursacht, Ersatzteile beschaffen und Reparatur vornehmen.»

 

Das Ganze sei oft ein Ausprobieren. «Aber natürlich wächst mit jeder Reparatur das Knowhow und auch die Sicherheit in dem, was man tut. Und bei dieser Anzahl an Geräten gibt es immer reichlich Arbeit. Da bleibt leider oft zu wenig Zeit, um noch an den eigenen Geräten zu spielen.» Im Rückblick stellt Richard fest, dass der Club grösser geworden ist, sowohl was das Angebot an Flippern als auch was die Anzahl der Mitglieder betrifft. «Grössentechnisch, also bei der Clubfläche, ist alles beim Alten geblieben. Wir haben nicht vor, in nächster Zeit zu expandieren. Aber wir haben auch nicht vor, kleiner zu werden.» Den Clubbesitzern ist es wichtig, dass es ihnen und den Gästen Spass macht, und sich alle wohl fühlen. Solange dem so ist, werde man weitermachen, um in Münchenstein noch möglichst lange «eine ruhige Kugel» zu schieben, wie ­Richard schmunzelnd sagt. 

Mehr Flipper, mehr Clubs

Dass Flippern ein Comeback feiert, stellt auch Richard fest. «Nicht zuletzt dank solchen Clubs und Vereinen wie wir. In der Schweiz gibt es doch ein paar Orte, wenn man sie denn kennt.» Neben einem Club in Solothurn (www.extraball.ch) ist das Lokal in Münchenstein am einfachsten zu finden. «Bei dem anderen Clubs muss man schon jemanden kennen, denn in der Regel kommt man da nicht so einfach rein.»In Reigoldswil hat vor kurzem ein weiterer Flipperverein seine Tore geöffnet. Der Betreiber sei einer der Gäste des Flipperclub Regio Basel, der selbst etwas auf die Beine stellen wollte. «Generell kann man also sagen, ja, das Flippern ist wieder auf dem Vormarsch. Langsam aber sicher.»

 

 

 

 

 

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