Mittwoch, Juni 19, 2019

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Ein Heizungssystem gegen den Klimawandel

Vertreter der beteiligten Firmen: Raoul Wyss (Elektro Valet AG), Dominic Erb (Techem AG), Urs Schnellmann (Viessmann AG), Martin Omlin (Omlin Energiesysteme AG) Vertreter der beteiligten Firmen: Raoul Wyss (Elektro Valet AG), Dominic Erb (Techem AG), Urs Schnellmann (Viessmann AG), Martin Omlin (Omlin Energiesysteme AG) Foto: Tobias Gfeller.

Es ist für Martin Omlin, Inhaber und Geschäftsführer der Omlin Energiesysteme AG, ein grosser Tag, als er mit den involvierten Partnerunternehmern das Eisspeicherheizsystem auf dem Bruderholz präsentiert. Der Stolz über das innovative Projekt ist bei allen Beteiligten spürbar. «Ein Meisterwerk der regenerativen Gebäudetechnik», schwärmt Omlin. Der Eisspeicher kommt dabei als Energiedepot nur an den Tagen zum Einsatz, an denen die Aussentemperatur weit ins Negative sinkt. In der grossen Mehrzahl der Tage wird das Mehrfamilienhaus Unter der Batterie 16 über Wärmeabsorber auf dem Dach geheizt. Darin fliesst kaltes frostgesichertes Wasser, das durch die Umgebungstemperatur lautlos erwärmt wird. Mit der Wärmepumpe wird dem Wasser die dazugewonnene Wärme wieder entzogen und diese zum Aufheizen von Warmwasser und Raumheizung verwendet. Anschliessend wird das abgekühlte Wasser wieder auf das Dach gepumpt. Weil in den Wohnungen mit Radiatoren geheizt wird, kann die Wärme noch gezielter und effektiver genutzt werden als im Falle einer Fussbodenheizung.

Wärme aus Eis

Diese Heizmethode funktioniert aber nur effizient, solange die Aussentemperatur nicht unter minus sechs Grad sinkt. «Wird es draussen noch kälter, nimmt der Wirkungsgrad stark ab», erklärt Urs Schnellmann, Projektingenieur bei der Viessmann AG, die das Heizsystem herstellt. Die Systemsteuerung erkennt automatisch, wann der Wirkungsgrad abnimmt und das Eisspeicherdepot unter der Einstellhalle gebraucht wird. Dort sind knapp 76 000 Liter Wasser gespeichert. Daraus wird Wärme entzogen, bis das Wasser von unten nach oben kristallisiert und am Ende ganz gefriert. Dann steigt der Wirkungsgrad des Heizsystems wieder an. Schnellmann rechnet vor: «Wird ein Kilogramm Wasser zu Eis, können daraus 330 Kilojoule Energie entzogen werden. Ist die Wassertemperatur positiv, können bei einer Temperaturabnahme von einem Grad nur gerade 4,2 Kilojoule Energie entzogen werden.» Die Jahresarbeitszahl, der Fachausdruck für den Wirkungsgrad, liegt bei 4,2 bis 4,5. Das heisst: Aus einem Kilowatt Strom, das zum Betrieb der Pumpe gebraucht wird, können 4,2 bis 4,5 Kilowatt Heizenergie produziert werden – für regenerative Heizungssysteme ein enorm hoher Wert, wie Schnellmann betont. Dementsprechend hoch sei auch die Energieeffizienz. In Zeiten der Klimastreiks und in Zeiten, in denen der Basler Grosse Rat den Klimanotstand ausruft, ist die Effizienz von Heizsystemen ein viel diskutiertes Thema. Die Omlin Energiesysteme AG geht dabei voran. «Es bringt nichts, nur immer darüber zu reden. Man muss auch handeln», stellt Martin Omlin klar. 

Individuelle Lösungen gesucht

Die Frage stellt sich, ob sich die Investitionen lohnen, wenn der Eisspeicher nur zum Einsatz kommt, wenn es draussen sehr kalt ist. «Eine berechtigte Frage», entgegnet Omlin. «Langfristig lohnt es sich auf jeden Fall», gehe es doch um Innovation, Fortschritt und die damit verbundene Nachhaltigkeit. «Eine solches Heizungssystem hat auch einen Wert weit über die eigentlichen Kosten hinaus.» Vor zehn Jahren wäre ein solches Mehrfamilienhaus mit einer Gas- oder Ölheizung geheizt worden, gibt Omlin zu bedenken. Er betont aber auch, dass Liegenschaften eine gewisse Grösse haben müssen, damit sich eine Eisspeicherheizung rechnet. «Oder es gibt eine Bauherrschaft wie in diesem Fall, die alles daransetzt, der regenerativen Gebäudetechnik den nötigen Raum zu verschaffen, um zu zeigen, was mit dem Einsatz regenerativer Energiesysteme in Zukunft möglich ist.» Die Eisspeicherheizung sei auch nicht überall geeignet. «Optimal ist sie, wenn das Dach des Hauses nicht allzu gross ist.» Denn dann würde eher eine Photovoltaikanlage Sinn machen. «Es geht eben darum, für jedes Objekt die individuell optimale Lösung zu suchen.» Mit der Eisspeicherheizung ist eine neue Lösung dazugekommen.    

Tag der offenen Tür mit Führungen
Freitag, 14. Juni, 14 bis 18 Uhr
Unter der Batterie 16, Basel

 

 

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