Mittwoch, November 22, 2017

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Andreashaus: Der Finanzdruck steigt

Vor ungewisser Zukunft. Pfarrer Andreas Klaiber (links)  und Paul Spring, der Sigrist des Andreashauses, wissen noch nicht, wie es mit dem Zentrum im Niederholzquartier weitergeht. Vor ungewisser Zukunft. Pfarrer Andreas Klaiber (links) und Paul Spring, der Sigrist des Andreashauses, wissen noch nicht, wie es mit dem Zentrum im Niederholzquartier weitergeht. Tobias Gfeller

Es ist Donnerstagmorgen. Im Andreashaus herrscht bereits emsiger Betrieb. In einem Raum wird geturnt, im Foyer Gemüse gekauft und geplaudert. Sigrist Paul Spring kennt die Besucher alle persönlich, hält den Senioren die Türen auf und wechselt mit ihnen ein paar Worte.

Das Zentrum im Niederholzquartier präsentiert sich an diesem Vormittag genau dem Zweck entsprechend, der von der evangelisch-reformierte Kantonalkirche Basel-Stadt bei der Erstellung 1957 vorgesehen war: Als vielfältig nutzbarer Quartiertreffpunkt und Begegnungsort, in dem Menschlichkeit gelebt wird, ohne dass der kirchliche Hintergrund zu sehr in den Vordergrund rückt.

Kantonalkirche muss sparen

Doch dieses Zentrum ist langfristig in Gefahr. Seit 2012 bezahlt die Kirchgemeinde Riehen-Bettingen eine jährliche Miete von 52 000 Franken an die Kantonalkirche als Liegenschaftsbesitzerin. Diese will aber aus Kostengründen nur noch die Kornfeldkirche für den Gemeindekreis Kornfeld-Andreas betreiben. Ab dann betrachtet sie  dann das Andreashaus nicht mehr als Kirchenzentrum und wird folglich schon in wenigen Jahren den Lohn des Sigrists nicht mehr bezahlen wollen. Das hätte Konsequenzen für die Gemeinde. «Die Verdoppelung der bisherigen Kosten bringt uns in arge Nöte», klagt Andreas Klaiber, der als Pfarrer tätig ist.

Stiftung zur Absicherung

Die Miete von 52 000 Franken konnte bisher vor allem gestemmt werden, indem das Andreashaus an Dritte vermietet wurde: Der Mittagstisch für Schulen, der Quartierverein, eine Spielgruppe, Tanzgruppen, Deutschkurse und Privatanlässe brachten jährlich zwischen 30 000 und 40 000 Franken ein. Der Rest wird über Spenden und eine Stiftung finanziert.

Wie aber die zusätzlichen 50 000 Franken für den Sigristenlohn aufgebracht werden können, weiss Klaiber noch nicht. «Wir werden versuchen, die Einnahmen weiter zu steigern.» Als Absicherung dient dabei die Andreasstiftung, die im Rahmen einer Liegenschaftsvererbung und deren Verkauf vor 25 Jahren an die Kirchgemeinde zur Unterstützung des Andreashauses gegründet wurde. Es sei aber keinesfalls das Ziel, die Stiftung vollumfänglich für die zusätzlichen Kosten aufkommen zu lassen. «Wir werden wie bis anhin sehr vorsichtig mit den Stiftungsgeldern umgehen», betont Pfarrer Klaiber.

Doch braucht das Andreashaus überhaupt einen Sigristen mit einem 50-Prozent-Pensum? «Klar!», antwortet Klaiber ohne zu zögern. «Der Sigrist hat eine Hauswarts- und Gastgeberfunktion: Er schaut zur Infrastruktur, regelt die Vermietungen, die das Geld einbringen, und er ist im Haus als Ansprechperson und auch Seelsorger präsent.» Würde am Pensum des Sigrists gespart, würden auch die Einnahmen sinken, ist Klaiber überzeugt. Zudem präge der Sigrist das Bild eines Gemeindezentrums.

Nicht messbare Werte

Sigrist Paul Spring selber hebt vor allem das Zwischenmenschliche im Andreashaus hervor. «Vieles passiert hier über Beziehungsarbeit. So verstehe ich gelebtes Christentum.» Werte, die sich nicht messen lassen, gingen in der heutigen Gesellschaft immer mehr unter, findet Spring. Gerade für das Niederholzquartier mit seinen vielen kleinen Genossenschaftswohnungen sei ein solches Zentrum essentiell. Für Spring, der seit 35 Jahren als Sigrist das Andreashaus führt, ist das Zentrum sogar «quartierrelevant». Vom Kleinkind bis zum Senior, vom Meditieren bis zum Tanzen – im Andreashaus stand die Vielfalt von Beginn an im Vordergrund. 

Ein Zentrum für das Kornfeld- und Niederholzquartier reiche jedenfalls nicht, sagt Paul Spring. «Die beiden Quartiere haben einen ganz unterschiedlichen Charakter. Das Niederholzquartier braucht einen eigenen Treffpunkt.»

Treffpunkt für alle

Der kirchliche Hintergrund des Andreashauses ist sicht- und spürbar, dominiert den Treffpunkt aber keinesfalls. «Wir sind offen für alle», so Sigrist Paul Spring. «Egal zu welcher Religionsgruppe man gehört: Dieses Niederschwellige zeichnet das Andreashaus genauso aus wie die gelebte Menschlichkeit.»

Einen Blick in die Zukunft wagt Pfarrer Andreas Klaiber nicht. «Wir möchten nun die Voraussetzungen für die künftigen Generationen ebnen. Ob das Andreashaus auch in Zukunft noch dieselbe Bedeutung geniessen wird, kann ich aber nicht sagen.» Paul Spring hingegen ist davon überzeugt: «Mit der Entwicklung des Quartiers, mit der Verdichtung und dem dazugehörenden Bevölkerungswachstum wird das Andreashaus als Zentrum immer wichtiger.»

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 12 April 2017 16:28

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