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Auch Wildtiere besuchen den Friedhof Hörnli

  • Donnerstag, 18 Januar 2018 13:46
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Manchmal richten Rehe auf dem Friedhof Schaden an. Manchmal richten Rehe auf dem Friedhof Schaden an. Foto: Daniel Wisler.

Mit 50 Hektaren, was rund 70 Fussballfeldern entspricht, ist der Friedhof Hörnli in Riehen der grösste Friedhof der Schweiz. Auf seinem Gelände sind aber nicht nur Besucherinnen und Besucher der tausenden von Gräbern anzutreffen, sondern auch etliche Tiere. «Es gibt Wildschweine, Eichhörnchen, Dachse, Füchse, Rehe und auch diverse Amphibien», sagt Patrick Goepfert von der Basler Stadtgärtnerei. Er  ist Leiter Kreis Hörnli und weiss auch, dass sich die Tiere schon seit mehreren Jahrzehnten auf dem Friedhof herumtreiben. Die Problematik des Rehfrasses wurde bereits im Jahr 1966 erwähnt. Es ist gleichzeitig das grösste Problem, das man mit den Rehen hat, besonders im Frühjahr. «Schlau, wie diese Tiere sind, spüren sie sicher jeden Leckerbissen auf. Leider zerstören sie dabei immer wieder Anpflanzungen auf ganzen Grabreihen und Sektionen», sagt Goepfert. Aber auch andere Tiere seien für Beschädigungen auf dem Friedhof verantwortlich.  

Wildschweine beispielsweise suchen nach tierischen Proteinen, brechen dabei die Oberfläche der Wiesen auf oder zerstören die Anpflanzflächen an Grabstätten. «Der Dachs grübelt in unseren frisch angepflanzten Grabflächen  nach Würmern und Engerlingen und hinterlässt teilweise so grosse Löcher, dass das Grabmal umkippt», sagt Goepfert. Die Rabenkrähen ihrerseits  können unter anderem junge Pflänzchen ausreissen. Auf ihrer Suche nach Insektenlarven und Würmern zerstören oder demontieren die Krähen aber auch Dekorationen auf den Grabstätten und machen sich sogar an den Grabkerzen zu schaffen. 

Wachs und Tierfett als Nahrung

Der Wachs und das Tierfett in den Kerzen dienen den Krähen auch als Nahrung. «Das Aufpicken von Grabkerzen kann man im Winter, sobald es Mangel an Nahrung gibt, gut beobachten», sagt Goepfert. Im Vergleich zu anderen Tieren richtet der Fuchs weniger Schäden an. Er nimmt sich selten die Grabkerzen vor, eher holt er diversen Müll aus den Abfallmulden und verteilt den Unrat auf den Grünanlagen, die dann gereinigt werden müssen. Sobald ein Schaden entdeckt wird oder eine Meldung eingegangen ist, nimmt die Stadtgärtnerei eine Nachpflanzung der ausgerissenen oder verbissenen Pflanzen vor oder stellt die Grabstätte wieder instand.

Vergrämungsmittel gegen Rehe

So unterschiedlich die Tiere und die Schäden sind, die sie verursachen, so vielfältig sind die Massnahmen dagegen. Um Dachse fernzuhalten, werden Hundehaare oder Pfeffer gestreut: Dachse sind Nasentiere und mögen diese Gerüche nicht. Eine Vertreibung mit Bewegungsmeldern sei auch möglich, sagt Goepfert. Um den Rehfrass zu minimieren, benutzt die Stadtgärtnerei verschiedene Vergrämungsmittel. Beispielsweise wird alles, was auf dem Friedhof im Frühling gesetzt wurde, kurz danach mit einem Gemisch aus Hornmehl und Buttermilch oder einem Blutmehlprodukt übersprüht. Dies sind organische Präparate mit natürlichen Wirkstoffen, wie Goepfert betont. «Wir passen uns an und setzen wenn immer möglich nur Pflanzen, die nicht auf dem Speisekarten der Rehe vorkommen. Und wir pflegen die Gräber so, dass Schäden in Grenzen gehalten werden können», sagt Goepfert.

Kein wirksames Mittel hat man allerdings gegen Krähen. Grabschmuck, den sie zerstören, wird umgehend ersetzt. Um das Aufpicken von Grabkerzen zu verhindern, sollten solche ohne Tierfettanteil gekauft werden, empfiehlt Goepfert. Ein voller Erfolg dagegen kann die Stadtgärtnerei gegen die Wildschweine verbuchen. Dank einem Elektrozaun auf der Waldseite verirren sich kaum noch Wildschweine auf den Friedhof; entsprechend gab es in den letzten Jahren keine erheblichen Schäden mehr. 

Tiere unter Aufsicht 

Bei allen Problemen und Schäden, welche die Tiere verursachen, werden sie aber auch betreut. «Sobald wir zum Beispiel Verletzungen oder Krankheiten feststellen, melden wir uns beim Wildaufseher des Kantons», sagt Goepfert. Auch die Wildforschungsstelle der Wildtierforschung Region Basel wird je nachdem beigezogen. Gleichzeitig pflegt die Stadtgärtnerei den Kontakt mit dem Jagdaufseher von Riehen. Er hat die Möglichkeit, durch Regulierung des Wildbestandes den Druck auf das Hörnli zu reduzieren. 

Auf dem Friedhof Hörnli kommt es immer wieder zu spontanen Begegnungen zwischen Mensch und Tier, was zu verschiedenen Reaktionen führt. «Der überwiegende Teil der Besucherinnen und Besucher ist über die Begegnung mit Wildtieren sehr erfreut. Die Tiere werden zum Teil auch als beruhigend empfunden. Nur einzelne Angehörige von Verstorbenen sind von einem Schaden betroffen», sagt Goepfert. «Es ist uns aber klar, dass die Tiere nicht nur emotionale Schäden verursachen.» Durch die Zerstörung von Pflanzen entstehen auch finanzielle Umtriebe. Die Verantwortlichen der Stadtgärtnerei betonen, sie seien bemüht, die Schäden so schnell wie möglich zu reparieren und gleichzeitig diesen Lebensraum für Wildtiere zu kontrollieren.

 Trotz allem sei aber ein Friedhof frei von Wildtieren nicht das Ziel, betonte Patrick Goepfert. «Oberhalb des Friedhofs ist Waldgebiet (Hornfelsen), und die Wildfauna wird sich immer in unserer Friedhof­oase wohlfühlen und einen Platz haben. Man muss sich bewusst sein, dass ein Friedhof frei von Wildtieren nicht möglich ist.»

Letzte Änderung am Donnerstag, 18 Januar 2018 13:49

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