Dienstag, Dezember 12, 2017

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«Die Einzelmedaille bleibt mein grosses Ziel»

  • Donnerstag, 03 August 2017 09:27
  • geschrieben von  ilo
Starke WM-Leistung: Mit dem Team holt Benjamin Steffen Silber. Starke WM-Leistung: Mit dem Team holt Benjamin Steffen Silber. Foto: Augusto Bizzi/Swiss Fencing

Nur hauchdünn ist Degenfechter Benjamin Steffen an WM-Gold im Team-Wettkampf vorbeigeschrammt. Wie der 35-Jährige Basler die letzten Sekunden des Gefechts erlebt hat und welche Ziele er sich nach einer schwierigen Saison setzt. Von Ilan Olstein

VG: WM-Team-Final gegen Favorit Frankreich in Leipzig: Punktestand 43:40. Zwei Punkte fehlen zum Sieg. Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?


Benjamin Steffen: In diesem Gefecht ist in sehr kurzer Zeit sehr viel passiert. Max Heinzer (wie Benjamin Steffen Mitglied der Fechtgesellschaft Basel, Anm. d. Red.) kassierte einen Treffer nach dem anderen. Nach einem Sturz wurde er ausgewechselt. Dann hoffte ich, dass Ersatzmann Georg Kuhn diesen Vorsprung irgendwie nach Hause bringt. Als er sich am Schluss leicht absetzen konnte, dachte ich: Wow, wir können das wirklich schaffen. Georg wahrscheinlich auch. Es hat nicht sollen sein.

Ist die Enttäuschung über verpasstes Gold der Freude über Silber gewichen?
Klar freue ich mich über das Erreichte. Wenn man den Sieg so nahe vor Augen hat, kann man das leider nicht einfach ausblenden. Die Nachwehen dieser bitteren Niederlage werden wir noch eine Weile spüren.

Nach einem hervorragenden 4. Rang an Olympia in Rio haben Sie angekündigt, den Fokus auf den Einzelwettkampf zu legen. In dieser Saison blieben die Spitzenresultate aber aus. Woran lag es?
Einerseits bin ich nach Olympia in eine kleine Krise gefallen. An diesem 4. Platz hatte ich doch etwas mehr zu nagen als ich dachte. Dank der Hilfe einer Sportpsychologin habe ich das feststellen können. Andererseits gab es nach Olympia einige Veränderungen in meinem Umfeld. Trainer Gianni Muzio, mit dem ich es sehr gut hatte, verliess das Team. Teamkollegen haben aufgehört oder Pausen eingelegt. Ich fühlte mich ein wenig aussen vor gelassen. In diesem neuen Trainings-Setup habe ich mich nicht ganz wohl gefühlt. Jetzt stimmt es aber wieder.

Das hört sich auch ein wenig nach Olympiablues an.
Bei mir war es nicht der klassische Olympiablues. Die Motivation war immer vorhanden. Die Zeit vor Olympia war enorm kräfteraubend und dann bin ich nach Rio zu früh in den Wettkampf eingestiegen. Dies, obwohl ich noch körperliche Beschwerden hatte. An den ersten beiden Turnieren habe ich zwar ganz ordentlich gefochten und nur sehr knapp verloren. Das war meinem Selbstvertrauen allerdings nicht zuträglich. Dieses kann man nur langsam wieder aufbauen. Je näher die WM kam, desto besser fühlte ich mich.

Sie sind in einem 70-Prozent-Pensum Englisch- und Sportlehrer sowie Sportklassenbetreuer am Gymnasium Bäumlihof. Wie bringen Sie Profisport und Beruf unter einen Hut?
Es braucht sicher eine gewisse Flexibilität von meiner Seite, sodass ich meinen Trainingsplan dem Stundenplan anpassen kann. Und natürlich bin ich froh, dass mein Arbeitgeber sehr kulant ist, wenn ich für ein paar Tage an einen Wettkampf reise. Gute Planung gehört ebenfalls dazu, auch wenn ich jetzt nicht wie Roger Federer das Jahr bis ins letzte Detail plane.

Apropos Roger Federer: Sein Erfolg im hohen Profi-Alter wird mitunter durch seinen verschleissarmen Spielstil erklärt. Gibt es unterschiedliche Fechtstile, die eine längere Karriere begünstigen?
Es gibt ganz unterschiedliche Fechtstile. Es gibt diejenigen, die reduzieren ihre Bewegungen auf ein Minimum und profitieren dabei häufig von einer grossen Reichweite. Andere sind ständig in Bewegung. Ich bin eher ein aktiver, technischer Fechter mit klassischem Fechtstil. Abnützungserscheinungen hat jeder Sportler ab einem gewissen Alter. Da bin ich keine Ausnahme. Der Verschleiss bei meinem Stil hält sich allerdings in Grenzen.

Das heisst, Sie haben noch genügend Energie im Tank und neue, hochgesteckte Ziele?
Absolut. Die Einzelmedaille an Olympia, einer EM oder WM bleibt mein grosses Ziel. Aber auch im Team können wir in Tokio 2020 Edelmetall anpeilen, wenn sich die Mannschaft weiterhin so toll entwickelt.

Olympia 2020 als hoffentlich krönender Abschluss Ihrer Karriere?
Das wäre natürlich traumhaft.

Zurück nach Basel, einer absoluten Fechthochburg. Benjamin Steffen, Gianna Hablützel- Bürki, Peter Lötscher, François Suchanecki und die zugezogenen Marcel Fischer und Max Heinzer gehören oder gehörten zur Weltspitze. Warum ist Basel ein derart gutes Pflaster für Fechter?
Ich glaube, dass wir seit der ersten glorreichen Zeit um das Silber-Team von München 1972 mit den beiden Baslern Lötscher und Suchanecki immer wieder sehr gute Trainer in Basel hatten. Die Leistungsphilosophie wurde weitergetragen und man gab den Talenten alle Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Später profitierten Olympiasieger Marcel Fischer und ich von den perfekten Trainingsbedingungen in der Fechtgesellschaft Basel. Zudem erhalten Spitzenathleten in Basel – nicht nur im Fechten – eine wertvolle Unterstützung der Leistungssportförderung Basel-Stadt. 

www.benisteffen.ch

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 03 August 2017 09:46

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